Mittwoch, den 03. Dezember 2008 um 19:24 Uhr
Von Pieter den Boer – Partner Reasult
Warum wurde der Immobiliensektor zu einem der ersten niederländischen Opfer der internationalen Kreditkrise?
Die derzeitige Situation: Banken und andere Finanzierer von Immobilien treten auf der Stelle und verleihen fast kein Geld mehr für Entwicklungsprojekte. Und falls doch, dann zu höheren Kosten. Damit verändert sich der Markt erheblich. In den letzten Jahren waren noch vom Angebot gesteuerte Immobilienentwicklungen möglich, auf der Basis von günstigen Darlehen und für anonyme Nutzer. Die Gesetze von Angebot und Nachfrage haben in der Vergangenheit bewiesen, dass Entwicklungen für anonyme Nutzung nur in eingeschränktem Maße, an seltenen Standorten und in starken Märkten zu einem nachhaltigen Erfolg führen können. Wer diese Gesetze übertrat, wurde schließlich vielfach mit Plänen konfrontiert, die gestrichen wurden, und mit Leerstand, wenn die Pläne umgesetzt wurden.
In den vergangenen Jahren wurde mit günstigen Krediten finanziert. Die betreffende Immobilie dient als Pfand/Sicherheit. Das geht gut, wenn der Geldgeber weiß, welchen wirklichen Wert (bei Zwangsversteigerung) die Immobilie langfristig hat. Dann kann er die Geldmenge, die er investiert, darauf abstimmen und das Risiko für die Bank bleibt begrenzt. Der zugrunde liegende Wert einer Immobilie wird von deren Nutzung bestimmt. So lange die Nutzer für die Kosten aufkommen können, besteht kein Grund zur Sorge. Und so lange dies gelegentlich auf Projektebene geschieht, ist auch noch alles in Ordnung.
Doch als in den USA Hauseigentümer massenhaft die Kosten für Darlehen, die „verpackt“ und „strukturiert“ in der ganzen Bankenwelt verbreitet waren, nicht mehr tragen konnten, ging die Sache richtig schief. Die zugrunde liegenden Werte fielen stark und der Keim der Kreditkrise war gelegt.
Und so schließt sich der Kreis. Es gab zu viel, zu billiges Geld, mit dem zu hoch bewertete Immobilien finanziert wurden. Jetzt gibt es (vorläufig noch) zu wenig und zu teures Geld. Das bedeutet, dass in den kommenden Jahren nur für kreditwürdige Nutzer (Mieter/Käufer) entwickelt und gebaut werden kann. Wir kehren zurück zu den fundamentalen Werten des Marktes: ein neues Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage auf der Basis von reellen Werten.
Eine Neubewertung der Risiken steht an. Der Markt muss darauf reagieren und mit passenden Antworten kommen:
Neue Immobilien
Die Kreditkrise beeinflusst die Realisierbarkeit von neu zu entwickelnden Immobilien.
Bestehender Markt
Immobilienentwickler fügen dem bestehenden Markt Projekte hinzu. Auch hier sind die Folgen der Kreditkrise erkennbar.
Neubewertung der Risiken
Binnen absehbarer Zeit wird eine Neubewertung der Risiken stattfinden.
Chancen
So bieten neue Umstände auf dem Markt auch wieder neue Chancen. Mit einem neuen Orientierungsrahmen und strengeren Rahmenbedingungen. Sind Sie bereit dafür?
